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Hauen, kratzen, kneifen, beißen, treten – aggressives Verhalten von Kleinkindern ist keine Seltenheit. Diese „Ungezogenheiten“ treten in der Regel phasenweise auf und fallen je nach Alter und Temperament des Kindes unterschiedlich aus. Uns Eltern ist dieses Fehlverhalten ein Dorn im Auge – egal, ob unser Kind Opfer oder Täter ist. Darum haben wir uns mit diesem Thema näher beschäftigt und in Erfahrung gebracht, wie und wann wir Erwachsenen im Falle eines Falles eingreifen sollten.

 

Aggressives Verhalten richtig deuten

Renommierte Entwicklungspsychologen gehen davon aus, dass Kinder erst im Alter von etwa vier Jahren begreifen, dass andere Menschen eigene Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse haben. Jüngere Kinder verfügen noch nicht über dieses Verständnis. Sie wissen nicht, dass ihr Verhalten eine Wirkung auf ihr Gegenüber hat – sei es positiv oder negativ. Diese Tatsache müssen wir Erwachsenen stets im Auge behalten! Nur so können wir im Konfliktfall richtig eingreifen und pädagogisches Verhalten an den Tag legen.

 

Kinder bis zu einem Jahr reagieren im Grunde nur in zwei Situationen „aggressiv“:

  1. Wenn sie bei einer Handlung unterbrochen werden, weil ihm z. B. das Spielzeug weggenommen wurde.
  2. Der umgekehrte Fall: Wenn sie ein Objekt, das von anderen gerade bespielt oder bewegt wird, unbedingt selbst erforschen wollen.

In beiden Fällen hat das „aggressive“ oder besser gesagt „grobe“ Verhalten des Kindes nichts mit Besitzansprüchen zu tun. Die spielen erst ab einem Alter von ungefähr 22 Monaten eine Rolle. Vorher wird das Kleinkind lediglich von seiner starken Neugierde und dem natürlichen Forscherdrang angetrieben.  

 

Mit dem Alter häufen sich die Aggressionsmotive

Im Kindergartenalter sind die Ursachen für aggressives Verhalten vielfältiger. Hier wird unter den folgenden Motiven unterschieden:

 

Spielerische Aggressionen: Das Kräftemessen im Spiel ist in den seltensten Fällen ein Grund zur Besorgnis. Auch wenn das laute Schreien und die wüste Rangelei beim Cowboy-und-Indianer-Spiel für uns Erwachsene bedrohlich wirkt, sehen es die Kinder völlig harmlos. Ein Einschreiten ist nur im seltensten Fall erforderlich.

Zu viel Temperament: Kinder mit einem Überschuss an Energie und Temperament sind oftmals reizbarer und verfügen über eine geringere Toleranzschwelle. Sie nutzen wilde Kämpfe, um das Zuviel an Energie loszuwerden. Eltern sollten hier unbedingt darauf achten, dass ihr temperamentvolles Kind genügend Möglichkeiten hat, sich auch ohne Aggressionen auszutoben. Viel Bewegung und Sport, am besten in einem Verein, sind in diesem Fall sehr hilfreich.

 

Der Wunsch nach Aufmerksamkeit: Es ist leider so: Aggressives Verhalten erhält besonders viel Aufmerksamkeit. Kinder, die zu wenig positive Aufmerksamkeit von ihrem Umfeld erfahren, nutzen jede Chance, um endlich einmal im Mittelpunkt zu stehen. Da ist es ihnen auch völlig egal, dass die Art von Aufmerksamkeit negativ ist. Hauptsache, sie werden irgendwie wahrgenommen.

 

Aggression als Druckmittel: Schon recht früh stellen Kindergartenkinder fest, dass sie ihren Körper als eine Art Waffe einsetzen und andere damit beherrschen können.

 

Aggression als Ausdrucksform: Kinder mit Sprachschwierigkeiten fallen häufiger mit aggressivem Verhalten auf als Kinder, die sich schon klar artikulieren können. Auch während der Trotzphase reagieren Kinder oftmals aggressiv, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen und sich unverstanden fühlen.

 

Familiäre Probleme: Die Scheidung der Eltern, der Tod des geliebten Opas, ein Umzug oder auch die Geburt eines Geschwisterchens können Kinder aus der Bahn werfen. Im Kindergartenalter sind sie mit dem Gefühl der Trauer oftmals überfordert. Wut ist ihnen dagegen vertraut und so entladen sich Sorgen und Ängste oft in Aggression.

 

Fehlende oder zu enge Grenzen: Beides tut Kindern nicht gut. Überhütete Kinder bekommen meist kaum eine Chance zu lernen, Konflikte friedlich lösen kann. Ein Kind, das nie Grenzen erfährt, wird diese auch im Spiel mit Gleichaltrigen ständig überschreiten.  

 

Vom Opfer zum Täter: Kinder, die ständig Opfer von Aggressionen ist, werden sich irgendwann wehren. Das ist im Grunde eine normale Reaktion, doch das Kind muss nun begreifen, dass aggressives Verhalten nicht der Schlüssel für jedes Problem ist und nicht präventiv angewendet werden darf.   

 

Wie können wir unserem Kind helfen?

Das aggressive Verhalten des eigenen Kindes herunterzuspielen, ist genauso verkehrt, wie es als totales Versagen der Erziehung anzusehen. Am wichtigsten ist, dass wir Eltern uns dem Problem stellen und gemeinsam mit unserem Kind nach Lösungen suchen. Verständnis und liebevolle Zuwendung wirken in einer aggressiven Phase Wunder! Kindergartenkinder sind bereits so reif, dass man in einem ruhigen Gespräch nach der Ursache der Aggression suchen kann. Manchmal können die Kleinen es aber gar nicht genau definieren, warum sie das Fehlverhalten an den Tag legen. Auf jeden Fall müssen wir unserem Nachwuchs klar machen, dass er sich unserer Unterstützung und Liebe immer sicher sein kann, aber auch, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist! Fragen wie: „Stell dir mal vor, die Julia würde dir ständig an den Haaren ziehen und dein Spielzeug wegnehmen. Wie würdest du das finden?“ können unserem Spross aufzeigen, wie sich andere fühlen. Rollenspiele sind in dem Alter besonders effektiv. Sie zeigen Kindern auf spielerische Art und Weise, dass andere Menschen ebenso Gefühle und Wünsche haben, die es zu respektieren gilt.

 

Ein gutes Vorbild sein und liebevolle Konsequenz

Niemals sollten wir Eltern unsere Vorbildfunktion unterschätzen! Unser Verhalten ist der wichtigste Leitfaden für unser Kind. Alles, was wir tun, ist für unseren Nachwuchs richtig und prägend – ein Leben lang! Deshalb sollten wir stets um eine faire Konfliktlösung bemüht sein; ganz besonders in der eigenen Familie. Wenn wir selbst laut rumschreien oder gar unseren Partner herumschubsen, müssen wir uns nicht wundern, wenn es unser Kind ebenso tut. Darüber hinaus ist „liebevolle Konsequenz“ die Zauberformel. Verhält sich das Kind in unserer Gegenwart aggressiv, dann darf das von uns nicht toleriert werden. Um der Aufmerksamkeits-Falle (siehe weiter oben) zu entgehen, sollte kein großes Tamtam vor versammelter Mannschaft gemacht werden. Viel sinnvoller ist es, den Radaubruder oder die kleine Überzicke kurz an die Seite zu nehmen, und ihm bzw. ihr ruhig zu erklären, dass so nicht weitergespielt werden darf. Zur Not muss das Kind gänzlich aus der Situation rausgenommen werden. Von einer Bestrafung in Form von Hausarrest, Fernsehverbot o. ä. ist auf jeden Fall abzusehen. Denn dann erhält das Kind ja wieder eine besondere Form der Aufmerksamkeit.

Wenn das alles nichts nützt, das Kind über einen längeren Zeitraum starke Verhaltensauffälligkeiten zeigt, andere vielleicht sogar ständig verletzt und jede Hilfe der Eltern von ihm abprallt, dann ist es höchste Zeit, sich fachliche Hilfe zu suchen. Generell sollte sich niemand scheuen, der sich mit den Aggressionen seines Kindes überfordert fühlt, den Rat eines Kinderpsychologen in Anspruch zu nehmen.

 

Über die Autorin Michaela Schreier

Über die Autorin Michaela Schreier

Mein Name ist Michaela Schreier. Ich bin Baujahr 1973 und wohne mit Mann, Sohn und Hund in dem schönen Fachwerkstädtchen Duderstadt.

Das Schreiben spielt seit Kindesbeinen eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Mit meiner ersten Buchveröffentlichung im Jahr 2011 ging ein Traum für mich in Erfüllung. Seitdem ist mein Schreibfluss nicht mehr zu stoppen! Vier Kinderbücher habe ich im Fabuloso Verlag veröffentlicht, zudem zahlreiche Beiträge in verschiedenen deutschen und österreichischen Anthologien.

Neben meiner „Bücherschreiberei“ bin ich als freie Texterin im Schreibbüro Frank Schreier tätig. Außerdem arbeite ich als pädagogische Mitarbeiterin und ehrenamtliche Lesepatin in den örtlichen Grundschulen. Diese Arbeit erfüllt mich sehr! Sie liefert mir immer wieder neue Ideen für meine Geschichten und lässt mich die Welt auch als Erwachsene mit Kinderaugen sehen.

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